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Gotthold Ephraim Lessing

Gotthold Ephraim Lessing, der am 22. Januar 1729 in Kamenz geboren wurde und der am 15. Februar 1781 in Braunschweig verstarb,  ist der hochgeachtete Namenspatron unserer Bildungshochschule mit ihrer bis ins Deutsche Kaiserreich zurückreichenden Tradition. 

Nach seinen Leipziger Jugendjahren, in denen er auf Geheiß seines Vaters Theologie studierte, folgten Studien der Humanmedizin an der Universität Wittenberge, die ihn aber nicht davon abhielten, sich einem Studium an der Philosophischen Fakultät der gleichen Universität zuzuwenden. Als Dramatiker und Philologe erwarb Gotthold Ephraim Lessing im Jahr 1752 den akademischen Grad eines Magisters.

Lessing war und ist eine der prägenden Persönlichkeiten des Zeitalters der Aufklärung. Sein Name steht bis heute für Toleranz und Weltoffenheit, für die Abkehr von Tabuisierungen und von Vorurteilen sowie von Dogmatismus. Religionsfreiheit war für ihn ein hehres Anliegen. 

Das stete Hinterfragen von Behauptetem, gleich wer dies geäußert hatte, zeichnete Gotthold Ephraim Lessing, den Dichter, den Autor von theoretischen Schriften, den Dramatiker, Rezensenten mehrerer Zeitungen und zeitweisen Wolfenbüttler Bibliothekar aus.

Den an der Persönlichkeit Lessings Interessierten seien die vier folgenden Verlinkungen empfohlen, um sich diesem – medial aufbereitet – zu nähern. Dies kann aber nicht das Erleben der bis heute an deutschen Bühnen inzensierten Theateraufführungen ersetzen und auch nicht die nähere eigene Befassung und Reflektionen mit seinem literarischen Gesamt-Werk und dem überlieferten umfangreichen Schrifttum. 

Johann Caspar Lavater (links sitzend) und Gotthold Ephraim Lessing (stehend)
zu Gast bei Moses Mendelssohn (rechts sitzend)
Gemälde von Moritz Daniel Oppenheim aus dem Jahr 1856

 

Lessing – Dichter der Aufklärung

von Britta Probol
Gotthold Ephraim Lessing. © picture-alliance / ZB

Perfektionist, Querdenker, Theatererneuerer: Gotthold Ephraim Lessing ist für die literarische Welt unsterblich.

Kaum einer hat die Entwicklung von Literatur und Theater in Deutschland so nachhaltig beeinflusst wie Gotthold Ephraim Lessing (1729 bis 1781). Er schrieb hierzulande die ersten Literaturkritiken und kämpfte mit spitzer Feder für ein freies Theater, das nicht mehr das Leben bei Hofe, sondern den Alltag der Bürger thematisiert. Sein Eintreten für Freiheit und Toleranz – auch in Glaubensfragen – machten ihn zum führenden Vertreter der deutschen Aufklärung.

Lessing: Schon als Kind ein Querdenker

Das Streben nach Wahrheit und Deutlichkeit war eines seiner Lebensthemen. Sein zweites war der stetige Kampf um ein Auskommen. Lessings Elternhaus war nicht wohlhabend, aber solide und bildungsbeflissen. Geboren am 22. Januar 1729 in Kamenz (Oberlausitz) wächst Lessing als drittes von zwölf Kindern einer evangelischen Pfarrersfamilie auf. Dem Vater gelingt es, ein Stipendium für die Fürstenschule St. Afra im 50 Kilometer entfernten Meißen zu erwirken, 1741 besteht Lessing dort mit Bravour die strenge Aufnahmeprüfung. Schon in dieser Lehranstalt fällt der Schüler auf: Er denkt quer, fragt nach, lässt sich nicht reinreden.

 

Den umfangreichen Stoff – darunter Religion, Latein, Griechisch, Französisch, Mathematik und Rhetorik – saugt er wie ein Schwamm auf. 1746 schreibt der Rektor an Lessings Vater: „Er ist ein Pferd, das doppeltes Futter haben muß. Die Lectiones, die andern zu schwer werden, sind ihm kinderleicht. Wir können ihn fast nicht mehr brauchen.“ Lessing bekommt ein halbes Schuljahr erlassen und beginnt in Leipzig auf Wunsch des Vaters ein Theologiestudium.

Student auf Abwegen

Doch zum Theologen fehlen ihm, wie sein Bruder es ausdrückte, „Sprache, Körper und Denkart“. Statt im Hörsaal trifft man den 19-Jährigen oft in geselliger Runde mit Kommilitonen und Schauspielern. Für eine Schauspielcompagnie übersetzt er französische Stücke gegen Freikarten. Nebenbei verfasst er sein erstes Lustspiel „Der junge Gelehrte“, das die Truppe 1748 aufführt.

Die Familie ist von seinem Lebenswandel entsetzt, sie beordert ihn zur Standpauke nach Hause. Lessing aber ist klar: Er hat seine Berufung gefunden.

Inspiriert von der Berliner Aufklärung

Mit einigen Pausen und Umwegen bringt er sein Studium zu Ende, verlässt die Alma Mater 1752 als Magister der Sieben Freien Künste. Da ist er auch schon als freier Schriftsteller etabliert. Denn weil er mit seinem Stipendium für einige mittellose Schauspieler gebürgt hatte, die sich aus dem Staub machten, musste er eine Arbeit annehmen. Er verdingt sich bei einer Berliner Zeitung als Feuilleton-Redakteur, sein witzig-ironischer Stil gefällt. Übersetzungsaufträge kommen hinzu.

Berlin ist Mitte des 18. Jahrhunderts dank der religiösen Toleranz von Preußenkönig Friedrich dem Großen ein Zentrum der Aufklärung. Lessing taucht ein in die philosophisch-literarischen Kreise, im „Montagsklub“ debattiert er rege mit.

Freundschaft und gemeinsame Werke mit Moses Mendelssohn

Der jüdische Philosoph Moses Mendelssohn (1729 bis 1786) wird sein lebenslanger Freund und Diskussionspartner, etwas später komplettiert der Verleger und Kritiker Friedrich Nicolai (1733 bis 1811) das Kleeblatt.

Lessings Zeit in Breslau trägt maßgeblich zur Komödie „Minna von Barnhelm“ bei.

Ab 1759 geben die drei wöchentlich die „Briefe, die neuste Literatur betreffend“ heraus – Rezensionen der aktuellen Belletristik-Veröffentlichungen. Sie sind geschrieben im Dialogstil an einen fiktiven verwundeten Offizier des Siebenjährigen Krieges. Die Kritiken stecken voll Scharfsinn und Spott. Mit ihrer treffsicheren Polemik regen sie zum Selbstdenken an.

„Minna von Barnhelm“: Erste klassische deutsche Komödie

Lessing ist mittlerweile 30 und muss feststellen, dass ein Literat sich einen annehmlichen Lebenswandel nur leisten kann, wenn er ein festes Grundeinkommen bezieht. Obwohl es ihm widerstrebt, sich „zum Sklaven zu machen“, fängt er in Breslau als Sekretär beim preußischen Kriegsgeneral Tauentzien an – für ihn immerhin eine Gelegenheit, „mehr unter Menschen als unter Büchern zu leben“. Aus den Breslauer Jahren gewinnt er den Stoff für „Minna von Barnhelm“, die erste klassische deutsche Komödie.

Lessing am Hamburger Nationaltheater

Lessing-Denkmal auf dem Hamburger Gänsemarkt © Imago / Imagebroker

Seit 1881 steht ein von Fritz Schaper entworfenes Lessing-Denkmal auf dem Hamburger Gänsemarkt.

„Minna von Barnhelm“ wird 1767 in Hamburg uraufgeführt. Denn inzwischen erreichte Lessing der Ruf, als Dramaturg und Berater das dortige Nationaltheater mit aufzubauen: das erste bürgerliche Theater Deutschlands. Neben den Hoftheatern gab es bislang nur wechselnde Bühnen für wandernde Schauspieltruppen. Zwölf Theaterbegeisterte hatten ein Gebäude am Gänsemarkt gepachtet und wagten sich an das neue Unternehmen.

Lessing mietet sich auf dem Holländischen Brook ein, im Hafenviertel, und beginnt enthusiastisch mit der Arbeit. Aus seinen Aufführungsrezensionen erwächst die wegbereitende „Hamburgische Dramaturgie“, in der er die damals modischen französischen Stücke bissig auseinandernimmt und immer wieder Shakespeare rühmt, der in Deutschland bis dato unbekannt ist.

Kein Auskommen mit dem Einkommen

Doch erleidet er finanziell erneut Schiffbruch. „Mit unserm Theater (das im Vertrauen!) gehen eine Menge Dinge vor, die mir nicht anstehn. Es ist Uneinigkeit unter den Entrepreneurs, und keiner weiß, wer Koch oder Kellner ist“, schreibt er im Mai 1767 an seinen Bruder. Nach zwei Spielzeiten muss die Bühne Bankrott anmelden. Auch Lessings Versuch, mit Johann Christoph Bode ein Druck- und Verlagsunternehmen aufzubauen, scheitert – er verliert all sein Geld als Teilhaber. Mittellos steht er da und muss sich nach einem neuen Posten umsehen.

Als Bibliothekar in Wolfenbüttel

Die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. © NDR Foto: Ina Stelljes

Lessing tritt 1770 eine Stelle an der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel an.

Den findet er, eher notgedrungen, in Wolfenbüttel: 1770 tritt er die ehrenvolle, jedoch schlecht dotierte Stelle an der weltberühmten Herzog-August-Bibliothek an. Als Unterkunft hat er fünf Zimmer in dem leer stehenden Schloss zur Verfügung, bald legt er sich aber einen „Stadtsitz“ im belebteren Braunschweig zu. „Eigentliche Amtsgeschäfte habe ich […] keine andere, als die ich mir selbst machen will. Ich darf mich rühmen, daß der Erbprintz mehr darauf gesehen, daß ich die Bibliothek, als daß die Bibliothek mich nutzen soll“, berichtet er seinem Vater.

Anfangs fördern die Bücher seinen Schaffensdrang – 1772 veröffentlicht er „Emilia Galotti“, ein politisches Drama, im Aufbau der Prototyp für alle folgende klassischen Tragödien. Goethe lobt es hoch, und Schiller urteilt: „Ein Trauerspiel voll Salz.“

Doch der Provinzalltag bekommt Lessing auf Dauer nicht. „Es ist nie mein Wille gewesen, an einem Orte, wie Wolfenbüttel, von allem Umgange, wie ich ihn brauche, entfernt, zeit meines Lebens Bücher zu hüten“, schreibt er 1774 sauertöpfisch dem Bruder, und einem Freund klagt er: „Mit mir ist es aus; und jeder dichterische Funken, deren ich ohnedies nicht viel hatte, ist in mir erloschen.“

Spätes Einlaufen in den Ehehafen

An einer Säule in der Hamburger Rathausdiele ist ein Relief von Gotthold Ephraim Lessing zu sehen. © NDR Foto: Jonas Hirschfeld

Das Lessing-Relief ist an einer Säule in der Hamburger Rathausdiele ist zu sehen.

Viel bedeuten Lessing in der Wolfenbütteler Ermitage seine Beziehungen zu Hamburg. Denn einerseits wurde er 1771 in die Freimaurerloge „Zu den drei Rosen“ am Dammtor aufgenommen – deren Denkart er unterstützt, die er allerdings nur selten besucht. Andererseits hat er an der Elbe geschätzte Freunde gewonnen, darunter den Musiker Philipp Emanuel Bach, die Familie des Theologen Reimarus und die Familie König, für deren jüngsten Sohn er die Patenschaft übernahm.

Als Engelbert König stirbt, kümmert sich Lessing um die Witwe Eva. 1770 beginnen sie einen Briefwechsel, schon 1771 verloben sie sich. Eva König ist wegen der Nachlassgeschäfte meist in Wien, sodass beide fünf Jahre lang eine Fernbeziehung führen. Die Korrespondenz aus dieser Zeit trieft nicht von Sehnsucht oder Pathos, sondern zeugt von einer Freundschaft zweier Einsamer, Gebeutelter. Am 8. Oktober 1776 wird Hochzeit gefeiert, im Haus von Bekannten des Paares in Jork.

Schmerzvoller Verlust

Lessings Familienglück sollte nur kurz währen. Am Weihnachtsabend 1777 kommt sein Sohn Traugott als Zangengeburt zur Welt – er überlebt keine 24 Stunden. Eva fällt ins Kindbettfieber. Silvester 1777 schreibt Lessing an Johann Joachim Eschenburg: „Freylich zerrt mir der kleine Ruschelkopf auch die Mutter mit fort! – Denn noch ist wenig Hoffnung, daß ich sie behalten werde. – Ich wollte es auch einmal so gut haben, wie andere Menschen. Aber es ist mir schlecht bekommen.“ Am 10. Januar 1778 stirbt Lessings Frau.

Der Fragmentenstreit eskaliert

Der Dichter stürzt sich nur umso tiefer in die Arbeit – „jeder zerstreut sich so gut als er kann“. Schon zu Anfang seiner Wolfenbüttler Zeit hatte er die „Fragmente eines Ungenannten“ herausgegeben, vorgeblich ein Fund aus der Bibliothek – in Wahrheit stammte die aufsehenerregende Bibelkritik aus der Feder des Freundes Reimarus. Auf die Angriffe kirchlicherseits hin verfasste Lessing beißende Polemiken, insbesondere seinen bekannten „Anti-Goeze“, die Abrechnung mit dem Hamburger Hauptpastor. Doch erreicht die Orthodoxie beim Herzog, dass er Lessing weitere theoretische Veröffentlichungen untersagt.

„Nathan der Weise“: Poetische Antworten auf theologische Fragen

Der aber gibt nicht auf. Zeitlebens ging es ihm um die religiöse Wahrheit – um den Kampf gegen stumpfe Buchstabengläubigkeit, für ein tolerantes Christentum, auch gegenüber anderen Glaubensrichtungen. Lessing verspürt Sendungsbewusstsein. „Ich muß versuchen, ob man mich auf meiner alten Kanzel, auf dem Theater wenigstens, noch ungestört will predigen lassen“, schreibt er 1778 an Elise Reimarus. Und er findet die Form für sein Humanismusplädoyer in einem dramatischen Gedicht mit fünffüßigen Jamben: 1779 erscheint „Nathan der Weise“, das erste weltanschauliche Ideendrama – und Lessings Meisterwerk.

Die „Erziehung des Menschengeschlechts“, an der er weiterarbeitet, ist Lessing ein Anliegen. Doch er spürt, dass es mit ihm körperlich bergab geht. Seinem Freund Mendelssohn schreibt er im Dezember 1780: „Auch ich war damals ein gesundes schlankes Bäumchen; und bin itzt ein so fauler knorrichter Stamm! Ach, lieber Freund! Diese Scene ist aus!“

Am 15. Februar 1781 stirbt Lessing 52-jährig an „Brustwassersucht“ – so arm, dass er in Braunschweig auf Staatskosten beerdigt werden muss.

Die Schriftsteller Walter Kempowski (1929 - 2007) und Christa Wolf (1929 - 2011) vor norddeutscher Küstenlandschaft (Montage) © picture-alliance/dpa, picture-alliance/HB-Verlag Foto: Ingo Wagner, Tim Brakemeier, Sabine Lubenow

Norddeutsche Autoren

Norddeutsche Landschaften und Familientraditionen oder die Aufarbeitung von Weltkriegen – das sind einige Themen der Schriftsteller, die im Norden lebten und leben.

Albert Einstein

schrieb unter dem 22. Juli 1928: „Ich versage mich auch sonst nicht, wenn es sich darum handelt, für Bildungseinrichtungen einzutreten, aber gerade der Lessing Hochschule gegenüber, deren Wirksamkeit mir seit langem bekannt ist, möchte ich besonders ausdrücken, für wie wertvoll und im höchsten Sinne gemeinnützig ich diese Einrichtung halte. Die Existenz der Lessing Hoch schule ist nach meiner Überzeugung schon darum von hoher Wichtigkeit, weil bei uns entschieden zu wenig getan wird, um die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung auch den nicht im Fach Stehenden zugänglich zu machen. Die Lessing Hochschule hat dieser Aufgabe seit vielen Jahren mit hohem Verantwortungsgefühl gedient, wie ja durch ihre Stellung im Bildungsleben und in der Öffentlichkeit allgemein anerkannt ist, und es erscheint mir als eine selbstverständliche Pflicht der Allgemeinheit, die Entwicklung dieses Institutes zu sichern und zu fördern.“

Willy Brandt

„Wir wissen alle, dass sich aus der zunehmenden Lebenserwartung neue gesellschaftliche Notwendigkeiten ergeben. Wir wissen außer dem, dass uns die Altersstruktur hier in Berlin vor besondere Aufgaben stellt (…). Berlin wird wieder etwas reicher dadurch, dass es diese Bildungshochschule wieder gibt.“

Willy Brandt bei der Neugründung der Lessing Hochschule am 26. Februar 1965

Hellmut Becker

„Deutschland ist nicht arm an bedeutenden Wissenschaftlern gewesen, aber es hat nicht sehr viele Persönlichkeiten besessen, die die Verbreitung von Wissenschaft auf qualitativ hohem Niveau so sehr zu ihrem Lebensziel gemacht haben wie Ludwig Lewin. Dieser hochgebildete Mann hat dieses Werk in Gemeinschaft mit seiner polnischen Frau Lola, geborene Heller, vollbracht, die trotz aller tragischen Erfahrungen auch den Rückweg nach Berlin wieder mit ihm gegangen ist. Noch einmal gelang es diesen beiden Menschen, das geistige Berlin für die Vermittlung von Wissenschaft und Kunst an breitere Schichten zu interessieren.“

Hellmut Becker, Direktor des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung, im  Nachruf auf Dr. Dr.h.c. Lewin aus dem November 1967

Der wahre Zweck des Menschen – nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt – ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen

Wilhelm von Humboldt
( 1767 – 1835 )

Ansprache an die Zukunft

Unserem Bildungswesen fehlen in der Tat Einrichtungen auf Universitätsniveau, die ,,unabhängig von Hochschulen“ oder wenn doch ,,nur in losem Verbande mit diesen“, eine ganzheitlich, synthetische Bildung anstreben und ein dialogisches und interaktives wissenschaftliches Studium jenseits von Fächergrenzen anbieten und pflegen.

 

Ein solches, die Vielfalt, Dezentralität und Humanität des Denkens und Handelns erst ermöglichendes Bildungsangebot ist um so wichtiger, je einseitiger Produktion und Verwertung von möglichst patentierbaren Wissensgütern in der Entwicklung des allgemeinen Hochschulwesens betont und belohnt werden.

 

Unser Bildungswesen selbst muß dringend auf den Prüfstand öffentlicher Diskurse. Bildung ist kein privates Gut. Sie wird es auch dadurch nicht, wenn sie privat finanziert und organisiert wird. Das Schicksal des Bildungswesens betrifft uns Alle.

 

Die Lessing Hochschule versteht sich als ein öffentliches Forum, das mehr und mehr von der privaten Initiative wacher, verantwortungsbewusster und höchstgebildeter Bürgerinnen und Bürger getragen wird, die das Ihre dazutun, den Druck der Öffentlichkeit groß genug werden zu lassen, um auch die Politik beim Umsteuern im Bildungswesen angemessen ,,einzubeziehen“.

 

Prof. Dr. Bernd Guggenberger

Rektor der Lessing Hochschule zu Berlin.

Credo der Lessing Hochschule zu Berlin

Gemeinsames Lernen genauer formuliert: gemeinsames lebenslanges Lernen in komplexen wissenschaftlichen und moralischen Fragen, ist das Gebot der Stunde. Dieser Thematik fühlt sich die Lessing Hochschule zu Berlin verpflichtet. Sie ist ein ganz besonderer Ort für ein solches gemeinsames Lernen, ein Ort der höchsten Bildung, will sagen: ein Ort des gemeinsamen und unabhängigen, wissenschaftlich gestützten und ethisch reflektierenden Lernens angesichts komplexer Herausforderungen in Kultur, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

 

In der Lessing Hochschule sollen sich vor allem jene engagierten Persönlichkeiten begegnen, die sich in besonderer Weise um das Wohl und Wehe des Gemeinwesens sorgen und die wissen, dass ihre eigene Entwicklung und ihre Erfolge sowie die Entwicklung und Erfolge des Gemeinwesens in Kreislaufprozessen langfristig miteinander verbunden sind, die sich im überschaubaren kommunalen Umfeld ebenso beratend und meinungsbildend einsetzen, wie sie sich über geeignete Medien in über- und internationale Reformdiskussionen einschalten, die sich persönlich vor allem für Reformen und Weiterentwicklungen in Kultur, Wirtschaft und Politik einsetzen (möchten).  Persönlichkeiten, die bereit sind, sogar eigene Ressourcen, Zeit und Geld bereitzustellen, wenn sie eine geeignete Plattform, wie die Lessing Hochschule  sie bietet, finden, um den öffentlichen Dialog beispielsweise über das Gesundheitssystem, das Bildungssystem oder den Arbeitsmarkt so stark mitzubeeinflussen, dass sich die einsichtigen und reformwilligen Politiker getrauen Althergebrachtes gegen Reformbeschlüsse zu verwerfen und dabei mit Mehrheiten in den Parlamenten rechnen können.

 

Den starken, die politische Meinungsbildung dominierenden Interessengruppen fehlen auch heute noch die in ihrer Wirkung auf die Politik gleich starken oder noch stärkeren breiten öffentlichen Diskurse, in die sie sich mit ihren Argumenten hineinzubegeben haben. Erst die kritischen und kreativen Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern von legitimen Partikularinteressen einerseits und den in anspruchsvollen öffentlichen Meinungsbildungsprozessen zum Ausdruck kommenden Haltungen und Zielvorstellungen des Gemeinwesens andererseits, lassen hoffen, dass tragfähige Konsensbildungen in der Bewältigung auch sehr komplexer Fragen, wie bei den beispielhaft genannten Aspekten, in Zukunft möglich und immer wahrscheinlicher werden.

 

Unsere Zukunft im lokalen, regionalen und globalen Kontext wird wesentlich davon abhängen, dass sich Plattformen und Foren, wie sie die Lessing Hochschule seit 1901 anbietet, für intelligente und glaubwürdige öffentliche Diskurse bilden können.

 

Prof. Dr. Bernd Guggenberger

Rektor der Lessing Hochschule zu Berlin

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