Nicht Wissenschaft, nicht Informationen, nicht die KommuniÂkationsgesellschaft, nicht moralische Aufrüstung, nicht der Ordnungsstaat“, forÂmuliert in unüberÂbietbarer Eindringlichkeit die Not unserer Zeit und ihre Therapie benennend, So Hartmut von Hentig zum Ende des 20. Jahrhunderts.
Die Lessing Hochschule zu Berlin greift das Vorstehende und den darin enthaltenen Appell einer „RückÂkehr“ zur Bildung zeitnah auf und wird ihrem Anspruch gerecht, indem sie sich, von allen berufsvorbereiÂtenden Aufgaben entlastet und sich allein der wissenschaftlichen Bildung verÂpflichtet weiß. Dies erlaubt ihr, mit einer ganzheitlichen StudienÂorientierung an die ambitionierteÂsten Universitätsideen anzuschließen und diese fortzuentwickeln.
Dieser Bildungsanspruch zielt auf die stete Entwicklung der Person zur Persönlichkeit und lässt das an Fachdisziplinen ausgerichtete StuÂdienangebot herkömmlicher HochÂschulen hinter sich. Wo individuelle Sinnerfüllung, (nach)berufliche Qualifikation und gemeinwohlorientierte Teilhabe Hand in Hand gehen, wo es lebenslanges Lernen mit freiwilliger Selbsthilfe- und Bürgerarbeit zu verÂbinden gilt, kommt dem fächerübergreifenden wissenschaftÂlichen Ansatz der Lessing Hochschule zu Berlin höchste gesellschaftliche Bedeutsamkeit zu.Â
Als autonome ModelleinÂrichtung, an der sich sämtliche GeneratioÂnen und europäischen Kulturen treffen, überÂnimmt die Lessing Hochschule zu Berlin eine bilÂdungspraktische SchrittmacherÂfunktion ersten Ranges für das Dritte Jahrtausend.
Die Lessing Hochschule zu Berlin richtet sich mit ihrem Bildungsangebot vorzugsweise an drei Gruppen – ohne andere Interessenten auszuschließen:
Â
Â
Die Nachfrage dieser drei GrupÂpen wird das Studium an der Lessing Hochschule zu Berlin geÂrecht; sie ist, von allen berufsvorÂbereitenden Aufgaben entlastet, der wissenschaftlichen Bildung verpflichtet, was ihr erlaubt, mit ihrem Konzept einer ganzheitlichen StudienorienÂtierung an die ambitioniertesten Universitätsideen anÂzuschließen.
Das Konzept der Lessing Hochschule zu Berlin geht über bereits bestehende Ansätze der nachberufÂlichen Bildung (vor allem für SenioÂren) hinaus: Es vermittelt InteresÂsierten erstmals ein eigenständiÂges, vollgültiges akademisches StuÂdienangebot im Rahmen einer uniÂversitären Bildungseinrichtung.
Anders als die Studierenden an den modernen Massenuniversitäten, deÂren Lehrangebot unter den Auflagen des Ausbildungs- und Effizienzkalküls steht, lädt die Teilnehmer an der Lessing Hochschule zu Berlin ein Ort ein, der die Mußepräferenzen und -kompetenzen bildungsbereiter MenÂschen anerkennt und fördert.
An den Hochschulen werden wissenschaftliche ,,Fächer“ studiert und der akademische werdegang wird durch das Studium Fachwissenschaftlicher disziplinen absolviert. Das Resultat ist bestenfalls der „Spezialist“, dessen Wissen – günstigstenfalls – im größeren gesellschaftlich-wissenschaftlichen Rahmen als nützlich nachgefragt und honoriert wird.
Auf dem Wege solcher Ausbildung werden Ekkenntnisse und Kompetenzen erworben, und somit wird die Verwendbarkeit des AusgebilÂdeten in einem Spezialgebiet gefördert, nicht jedoch seine Bildung in der Breite. Das leitende Interesse ist unverholen jenes der gegenwärtigen Gesellschaft für die es Menschen speziellen Tiefenwissens Befähigungen, nicht aber solche mit einem generellen Überblick – Weitblick der gegenwärtigen GeÂsellschaft, für die es Menschen speÂzieller Zurüstung bedarf. Die entÂscheidende Frage der „InformaÂtionsgesellschaft“ lautet daher, wie das produktive und kreative PoÂtential des Menschen besser als bisÂher zu erschließen sei. Das authentische Bildungsinteresse ist ein gänzlich anderes. Es zielt auf die stete Weiterentwicklung der PerÂson zur Persönlichkeit. Jedenfalls eine Bestimmung habe jeÂder Mensch mit auf die Welt geÂbracht, und das sei: ,,sich als MenÂschen auszubilden“; diesen Zweck zu fördern, sei der Sinn des akademischen Studiums – so Friedrich Schiller in seiner Antrittsvorlesung: „Was heißt und zu welchem Ende studiert man UniversalÂgeschichte?“. Welche Anforderungen die jeweils gegenwärtige Wirklichkeit an den Menschen stellt, ist die Frage der Ausbildung. Die Frage hingegen, wie der Mensch dahin geÂlangen könne, nicht fürchten zu müssen, den höchsten und entwickeltsten Anspruch an sich selbst anzulegen, ist die Frage der Bildung. Gebildete Menschen sind per se nicht „nützlicher“ als ungebildete. BilÂdung entwickelt den Menschen nicht mehr als Mittel zu Zwecken der VerwenÂdungsoptimierung; vielmehr würdigt alle Bildungsanstrengung den sich bildenden Menschen als Zweck in sich selbst. ÂÂ
Â
schrieb unter dem 22. Juli 1928: „Ich versage mich auch sonst nicht, wenn es sich darum handelt, für Bildungseinrichtungen einzutreten, aber gerade der Lessing Hochschule gegenüber, deren Wirksamkeit mir seit langem bekannt ist, möchte ich besonders ausdrücken, für wie wertvoll und im höchsten Sinne gemeinnützig ich diese Einrichtung halte. Die Existenz der Lessing Hoch schule ist nach meiner Überzeugung schon darum von hoher Wichtigkeit, weil bei uns entschieden zu wenig getan wird, um die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung auch den nicht im Fach Stehenden zugänglich zu machen. Die Lessing Hochschule hat dieser Aufgabe seit vielen Jahren mit hohem Verantwortungsgefühl gedient, wie ja durch ihre Stellung im Bildungsleben und in der Öffentlichkeit allgemein anerkannt ist, und es erscheint mir als eine selbstverständliche Pflicht der Allgemeinheit, die Entwicklung dieses Institutes zu sichern und zu fördern.“
„Deutschland ist nicht arm an bedeutenden Wissenschaftlern gewesen, aber es hat nicht sehr viele Persönlichkeiten besessen, die die Verbreitung von Wissenschaft auf qualitativ hohem Niveau so sehr zu ihrem Lebensziel gemacht haben wie Ludwig Lewin. Dieser hochgebildete Mann hat dieses Werk in Gemeinschaft mit seiner polnischen Frau Lola, geborene Heller, vollbracht, die trotz aller tragischen Erfahrungen auch den Rückweg nach Berlin wieder mit ihm gegangen ist. Noch einmal gelang es diesen beiden Menschen, das geistige Berlin für die Vermittlung von Wissenschaft und Kunst an breitere Schichten zu interessieren.“
Hellmut Becker, Direktor des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung, im Nachruf auf Dr. Dr.h.c. Lewin aus dem November 1967