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Medien zur Historie, Gegenwart und Zukunft der Lessing Hochschule

122 Jahre Lessing Hochschule
Eine in Vergangenheit und Gegenwart sich begründende Vision
für die Zukunft.

Im Herbst des Jahres 1901, betrat die Namens- und Vorbildgeberin der heutigen Lessing-Hochschule zu Berlin mit der Präsentation ihres ersten Vorlesungsverzeichnisses die bildungspolitische Bühne. Diese neue Bildungseinrichtung auf Universitätsniveau gehörte seitdem zu den geistigen und kulturellen Zentren im Berlin der Weimarer Republik.

Kaum jemand in Berlin erinnert sich heute noch an die glanzvolle Vergangenheit dieser Hochschule, an der international angesehene Persönlichkeiten wie Albert Einstein und Max Scheler, C. G. Jung und Georg Simmel, Thomas Mann, Carl Zuckmayer und Stefan Zweig, Theodor Heuss, Gustav Stresemann und Werner Sombart, Lise Meitner, Helene Stöcker und Mary Wigman, Romano Guardini, Paul Tillich, Fritz Lang, Gustav Gründgens, Max Reinhardt, Fritz Kortner, Benedetto Croce, George Bernard Shaw u. v. m. gelehrt und gewirkt haben.

Der Mensch ist das Wesen, das nicht einfach lebt, sondern sein Leben führt.

Wenige Wochen vor der nationalsozialistischen Machtergreifung hielt Albert Einstein im Hörsaal der Lessing Hochschule in Berlin zum letzten Mal eine Rede. Darin heißt es, das „geistige Niveau“ unserer Zeit sei bedroht: „Übertriebene Wertschätzung körperlichen Sportes, ein Übermaß von groben Eindrücken, welche die Komplizierung des Lebens durch die technischen Erfindungen der neuesten Zeit mit sich gebracht hat, die durch die Wirtschaftsnöte erzeugte Verschärfung des Kampfes ums Dasein, Verrohung des politischen Lebens – alle diese Faktoren wirken einer Vertiefung der Persönlichkeit und dem Streben nach wirklicher Bildung entgegen, geben unserer Zeit das Gepräge des Rohen, Ungeistigen, Oberflächlichen.“

Dafür bedarf er der Bilder und Vor-Bilder, der Gedanken und der exemplarischen Antworten aus Geschichte und Gegenwart, die ihm die Möglichkeit des Vergleichens und der Befremdung eröffnen. Ein selbstbestimmtes Leben, ein Leben, so geführt, „dass es zu denken gibt“ (Rüdiger Safranski), kann sich nur mit der Anstrengung des Gedankens wider die gnadenlosen Folgen der Trivialisierung in Mode und Werbung, in Meinungs- und Konsummedien zur Wehr setzen.

Nicht ein Mehr an Informationen macht frei, sondern Bildung. Nur Bildung lehrt uns, zuverlässig zu wissen, was wir nicht zu wissen brauchen – ohne unter permanenter Informationsangst zu leiden. Innere und äußere Gelassenheit zu den Dingen verdanken sich jener positiven Ignoranz und zielgeführten Wahrnehmungsverweigerung, zu denen allein Bildung befähigt.

Kein Schelm, wer Böses dabei denkt! Denn leider sind die Parallelen und Ähnlichkeiten – im vis a vis solcher Zitate – zu Personen und Ereignissen der jüngsten Zeitgeschichte nicht ganz zufällig. Umfassende Bildung, die über das spezialisierte Fächerstudium hinaus der fächerübergreifenden Begegnung mit den Wissenschaften, Künsten und Religionen bedarf, ist gerade heute eine Kernaufgabe für „eine neue Bildungsreform, die sich nicht darauf beschränkt, Erkenntnisse der Organisationslehre und der Betriebswirtschaft auf Schulen und Hochschulen zu übertragen“ – so Bundespräsident Johannes Rau in seiner Rede vor dem Bildungsforum.

Nobelpreisträger

Ludwig Lewin

Grosse Persönlichkeiten

Quell des Wissens

Albert Einstein

schrieb unter dem 22. Juli 1928: „Ich versage mich auch sonst nicht, wenn es sich darum handelt, für Bildungseinrichtungen einzutreten, aber gerade der Lessing Hochschule gegenüber, deren Wirksamkeit mir seit langem bekannt ist, möchte ich besonders ausdrücken, für wie wertvoll und im höchsten Sinne gemeinnützig ich diese Einrichtung halte. Die Existenz der Lessing Hoch schule ist nach meiner Überzeugung schon darum von hoher Wichtigkeit, weil bei uns entschieden zu wenig getan wird, um die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung auch den nicht im Fach Stehenden zugänglich zu machen. Die Lessing Hochschule hat dieser Aufgabe seit vielen Jahren mit hohem Verantwortungsgefühl gedient, wie ja durch ihre Stellung im Bildungsleben und in der Öffentlichkeit allgemein anerkannt ist, und es erscheint mir als eine selbstverständliche Pflicht der Allgemeinheit, die Entwicklung dieses Institutes zu sichern und zu fördern.“

Willy Brandt

„Wir wissen alle, dass sich aus der zunehmenden Lebenserwartung neue gesellschaftliche Notwendigkeiten ergeben. Wir wissen außer dem, dass uns die Altersstruktur hier in Berlin vor besondere Aufgaben stellt (…). Berlin wird wieder etwas reicher dadurch, dass es diese Bildungshochschule wieder gibt.“

Willy Brandt bei der Neugründung der Lessing Hochschule am 26. Februar 1965

Hellmut Becker

„Deutschland ist nicht arm an bedeutenden Wissenschaftlern gewesen, aber es hat nicht sehr viele Persönlichkeiten besessen, die die Verbreitung von Wissenschaft auf qualitativ hohem Niveau so sehr zu ihrem Lebensziel gemacht haben wie Ludwig Lewin. Dieser hochgebildete Mann hat dieses Werk in Gemeinschaft mit seiner polnischen Frau Lola, geborene Heller, vollbracht, die trotz aller tragischen Erfahrungen auch den Rückweg nach Berlin wieder mit ihm gegangen ist. Noch einmal gelang es diesen beiden Menschen, das geistige Berlin für die Vermittlung von Wissenschaft und Kunst an breitere Schichten zu interessieren.“

Hellmut Becker, Direktor des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung, im  Nachruf auf Dr. Dr.h.c. Lewin aus dem November 1967

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